Die Glocke des Kloster Ihlow

Ulrich Habel

| 4 Minuten

Stahlskelett des Kloster Ihlow - Räume der Stille

Wer in der Ostfriesland vorbeikommt und ein bisschen Zeit mitbringt, sollte unbedingt die Klosterkirche Ihlow besuchen. Ein kleiner Spaziergang durch einen schönen Wald lädt ein bisschen zum Träumen ein, die Kirche ist als Imagination also Stahlkonstruktion wieder aufgebaut worden. Und dann gibt es da noch die Glocke und um die soll es nun gehen.

Für meinen Podcast habe ich diverse Male versucht die Atmosphäre dieser Kirche aufzunehmen. Aus der Beschreibung lässt sich auch bereits entnehmen, dass dies bisher nicht sehr erfolgreich war. Allerdings zu der Glocke habe ich ein besonderes Verhältnis. Die Glocke der Ihlower Kirche ist ein Nachbildung einer Glocke, die von Jungen im Watt vor Wilhelmshafen gefunden wurde. Diese Glocke wurde dann nach Ihlow verbracht und wurde prompt gestohlen. Der Klosterverein ließ 2009 eine Nachbildung erstellen und diese Glocke hängt nun in einem Dachreiter. Da dieser nach allen Seiten hin offen ist, können sich die Schallwellen der Glocke zu allen Seiten hin ausbreiten. Und, ganz offen gesagt, diese Glocke ist richtig laut.

Das die Herstellung einer Glocke eine ziemliche Wissenschaft ist, ist mir spätestens seit der Schule und dem Auswendiglernen von Schillers Glocke im Gedächtnis geblieben. Was ich aus dem Physik Unterricht noch behalten haben, ist das eine Glocke gleichzeitig in unterschiedlichen Moden schwingt. Eine Mode beschreibt in der Akustik/Physik die zeitlichen, stationären Eigenschaften einer Schallwelle. So weit die trockene Theorie, Wikipedia - Mode weiß dazu mehr.

Was mir bei dem Editieren des Podcasts jedoch gleich aufgefallen ist, sind die unterschiedlichen Frequenzen, die den Klang der Glocke bestimmen. Ich habe den Klang der Glocke in die verschiedenen Frequenzbereiche untergliedert und habe sie einzeln hörbar gemacht.

Auf dem nachfolgenden Spektrogram sind die einzelnen Frequenzbereiche der Glocke dargestellt. Man kann am Anfang des Bildes (links) sehr schön den Schlag gegen die Glocke erkennen. In den von mir hellblau eingefärbten Bereichen kann man sehr gut Zacken erkennen, die sich von links nach rechts ausbreiten. Ganz besonders gut kann man erkennen, dass die tiefen Frequenzen sehr lange sicht- und damit hörbar sind, die höheren Frequenzen jedoch sehr schnell nicht mehr hör- und damit auch sichtbar sind. Wenn man sich das Spektrogramm näher ansieht könnte man auch von Schrammen sprechen die links beginnen und dann noch ein bisschen sich in Richtung rechts ziehen. In dem Audio Player unterhalb des Bildes kann man die verschiedenen Frequenzbereiche einzeln abspielen.

Spektrogramm der Glocke von Kloster Ihlow. Gut zu erkennen sind die unterschiedlichen Frequenzbereiche der Glocke
  • Glocke mit allen Frequenzen
  • Glocke (Frequenzen 0 - 510 Hz)
  • Glocke (Frequenzen 300 - 430 Hz)
  • Glocke (Frequenzen 650 - 755 Hz)
  • Glocke (Frequenzen 810 - 910 Hz)
  • Glocke (Frequenzen 1360 - 1530 Hz)
  • Glocke (Frequenzen 1790 - 2021 Hz)
  • Glocke (Frequenzen 2090 - 2310 Hz)
  • Glocke (Frequenzen 2710 - 2885 Hz)
  • Glocke (Frequenzen 2930 - 3115 Hz)
  • Glocke (Frequenzen 3310 - 3570 Hz)
  • Glocke (Frequenzen 3845 - 4140 Hz)
  • Glocke (Frequenzen 4450 - 15200 Hz)

Der Abstand zur Glocke bei der Aufnahme betrug ungefähr 100 Meter. Ich fand es spannend mal wieder einen Wochenendtrip in die Physik zu unternehmen und zusätzliches Wissen über die Glocke zu erfahren. Spektrogramm mit angesprochenen Schrammen der Glocke des Kloster Ihlow, Ostfriesland.
Das "Schrammenbild" - hier verdeutlicht dargestellt


An Lehrer*innen und andere Interessierte: Die Aufnahme zu dem Glockenton sowie die einzelne Zerlegung der Frequenzen in kleinere Musikdateien dürfen sehr gerne im Unterricht oder für andere Verwendung (nicht kommerziell) genutzt werden. Die Audiodateien sowie das Übersichtsbild kann als ZIP-Datei heruntergeladen werden. Wenn ihr das im Unterricht verwendet, freue ich mich über ein kurzes Feedback. Die Audiodateien sowie das Spektrogramm sind unter Creative-Commons Lizenz [CC BY-NC 4.0] lizenziert.